Narrenzunft Elzach e.V. 

Frei ist der Narr....

Die Elzacher Larvenvielfalt

 

Die Elzacher Fasnet zeichnet sich vor allem durch eine große Vielfalt von Larven und Larventypen aus. Diese ist im schwäbisch-alemannischen Raum einzigartig. Die meisten Larven gehören einer der sieben Hauptgruppen an, die untereinander noch viele Variationen aufweisen.

Einige begabte Narren schnitzen sich ihre Larven selbst. Das Gros wird jedoch von professionellen Holzbildhauern angefertigt. Die Hauptgruppen werden im Folgenden kurz idealtypisch vorgestellt.

 

Langnase

Die „Langnase“ dürfte zu den frühesten Elzacher Larventypen gehören. Früher wurde diese Larvenform aus einem Stück Holz gefertigt, an dem sich ein Ast befand. Dieser wurde zur Nase verarbeitet, die Larve dann grauweiß oder gelblich grundiert, dann Bart und Bäckchen aufgemalt. Gerade in dieser primitiven Erscheinungsweise wirkt sie sehr gespenstisch.

Wie Werner Mezger vermutet, könnte der „Pestarzt“ der venezianischen Commedia dell´ arte ihr als Vorbild gedient haben. Der „medico della peste“ trug eine Maske mit langer schnabelartiger Nase. Bei den Pestärzten des Mittelalters befanden sich darin wohlriechende Kräuter und Essenzen, die vor Ansteckung schützen sollten. Der „Pestarzt“ trat im venezianischen Karneval als Vorbote des Todes auf, und in der Tat erinnert auch die Langnase an das Gesicht eines Toten, vor allem wenn die Grundierung, wie oft bei alten Exemplaren, ins Bläuliche übergeht. Wie bereits erwähnt wurden im 17. Jahrhundert in Elzach an Fastnacht Totentänze aufgeführt. Möglicherweise hat auch die Langnase hier ihren Ursprung, vielleicht hat auch der bildlich dargestellte Totentanz der nahen Bleibacher Kirche die damaligen Akteure inspiriert. Eine der ältesten noch erhaltenen Larven am Ort eine Langnase aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts und ist im Museum in Elzach ausgestellt. Eine weitere sehr alte Langnase ist im Besitz des Augustinermuseums Freiburg.

 

Fuchs "Gfriss"

Die „Gfrisse“ sind ebenfalls sehr alt. Erwin Krumm vermutete im „Bärengfriss“ sogar die Urlarve der Elzacher Fasnet. Ob das zutrifft, lässt sich nicht beweisen, da fast keine alten Larven mehr erhalten sind. Das Bärengfriss wird aus einem einzigen Stück Holz geschnitzt und in dunkelbraunen Farben gehalten. Die kleinen rotumrandeten Augen stechen hervor, mehr noch die weiß gebleckten Zähne. Auch dieses Schnitzwerk ist einfach, aber von großer Wirkung, ein Bärengfriss kann durchaus furchteinflößend sein. Das älteste bekannte Bärengfriss ist auch Teil der Dauerausstellung im Museum in Elzach. Sie ist auch auf dem ältesten Schuttigbild von 1905 zu erkennen. Neben dem Bärengfriss kennt die Elzacher Fasnet das Fuchsgfriss und Gfrisser mit menschlichen Zügen.

 

Alter Fratz

Die „Fratzen“ sind meist tief gehöhlt und daher leicht zu tragen. Mund und Kinn sind weit vorspringend, die Zähne meist gefletscht. Früher waren Nase und Kinn kürzer gehalten. Einige Fratzen haben ein grimmiges, andere ein freundliches Aussehen.

Besonders hervorzuheben ist eine Neuerung von Erwin Krumm. Er ließ 1919 erstmals die Augäpfel stehen und schnitt erst dann die Gucklöcher heraus. Auch benutzte er zur Bemalung Wasserbeize, nicht, wie damals üblich, Ölfarben. Dies wurde später auch bei anderen Larventypen angewandt.

 

Teufelslarve

Nach Schaffung des schwarzen Teufelsschuttigs fanden bald zahlreiche „Teufelslarven“ Eingang ins Narrentreiben. Einige sind der schwarzen Larve nachempfunden, jedoch in bräunlichen Tönen gehalten, daneben gibt es zahlreiche Varianten. Die Teufelslarven zeigen meist ein höhnisches Grinsen, manche haben mächtige Hauer. Schon im 19. Jahrhundert soll es mit Fell überklebte Teufelslarven mit echten Bockshörnern gegeben haben. Leider ist davon keine mehr erhalten.

 

Bartlarve

Kurz vor dem ersten Weltkrieg tauchten erstmals „Bart“- oder „Wildmännerlarven“ auf, sie sind somit der jüngste der sieben Grundtypen und erfreuen sich sehr großer Beliebtheit. Wie der Name sagt, zeichnen sie sich durch einen großen, prächtigen Bart aus. Es gibt sie in den unterschiedlichsten Form- und Farbvarianten.

 

Die 7 Grundtypen Larven sind:

- Langnase - Mundle - Fratz - Lätsch - Bartlarve - Teufel - Gfriss (Bär, oder Fuchs)

 

Bilder: NZE / HGA


Neben diesen Grundtypen gibt es eine Reihe von Einzellarven: Das schaurig grinsende „Dotegfriß“, das freundlich blickende „Zohluckewiebli“, das von Runzeln zerfurchte Gesicht des Altwiebergfriss, auch „Hex“ genannt, die an Napoleon III. erinnernde „Napoleonslarve“, der „Indianer“, der pausbäckige „Sonntag“ und das exotische „Affegfriß“, um nur einige zu nennen.

 

Zu den verschiedenen Zeiten waren die unterschiedlichen Larventypen mal mehr, mal weniger häufig anzutreffen. Vom Dotegfriß dürften inzwischen einige Dutzend existieren. Zwischen den Weltkriegen war das Mundle weit verbreitet. Seit den sechziger und siebziger Jahren lassen sich regelrechte Modewellen ausmachen. Zunächst waren die Fratzen und Bartlarven äußerst beliebt, danach erfreuten sich Teufel und das Fuchsgfriß großer Beliebtheit. In jüngster Zeit ist vor allem das Interesse an Kopien seltener und alter Larven stark gestiegen.

 

Auch die Hex ist immer häufiger anzutreffen. In diesen Fällen kann man eigentlich nicht mehr von Einzellarven sprechen. Auch von den übrigen tauchen immer mal wieder Kopien im Narrentreiben auf.

 

Diese Entwicklungen zeigen, dass in Elzach im besten Sinne von lebendiger Tradition gesprochen werden kann.

Trotzdem sei der Hinweis erlaubt, dass neue Larven sich an den o.g. Grundtypen orientieren sollen und nicht an individuellen Einzellarven. Den wie heißt es so schön, ein Schuttig zeigt nie sein Gesicht und gibt sich in der Öffentlichkeit nicht zu erkennen.

 

Verschiedene Abwandlungen vom Elzacher Mundle

Bild HGA: Verschiedene Abwandlungen vom Elzacher Mundle - verschiede Zeitepochen